MAIN

REVIEWS

Intern



 Valid HTML 4.01 Transitional

 Valid CSS!

 [Valid RSS]

Summer Wars
Story

Japan in einer nicht allzu fernen Zukunft.
Die riesige Netz-Community-Plattform „Oz“ ist zu einem elementaren Bestandteil der Kommunikation der Menschen geworden und nicht nur hunderte Millionen von Privatanwendern, vom Kleinkind bis zur Ur-Oma, haben hier einen Account, sondern auch viele Unternehmen und Ämter und Behörden unterhalten virtuelle Vertretungen in dieser digitalen Welt.
Ein derartig gigantisches Netzwerk benötigt natürlich auch entsprechende Pflege und so kommt es das auch die beiden Schüler Kenji und Kazuma über die Ferien einen Teilzeitjob als administrative Helfer in Oz angenommen haben um sich ein bisschen was dazu zuverdienen.
Doch aus dem Plan wird nichts, denn plötzlich taucht ihre Mitschülerin Natsuki bei ihnen auf, das beliebteste Mädchen der gesamten Schule, und möchte das einer der beiden Jungs sie als Sommerjob aufs Land zum Haus ihrer Großmutter begleitet, die dort mit ihrer Familie ihren 90sten Geburtstag feiert, ein Großereignis für welches noch helfende Hände benötigt werden.
So begleitet also Kenji das Mädchen aufs Land und überlebt schon bald einige Überraschungen als Natsuki ihm zuerst offenbart das sie ihn weniger als Helfer, viel mehr als ihren angeblichen Verlobten mitgenommen hat, und anschließend der ganze Schwindel auch noch auffliegt weil plötzlich landesweit in allen Medien nach Kenji gefahndet wird.
Irgendjemand ist es nämlich gelungen das System von Oz zu hacken und die Kontrolle über die virtuelle Welt an sich zu reißen und dieser jemand hat dafür ausgerechnet Kenjis Account benutzt.
Nun übernimmt dieser jemand immer mehr Accounts und mit ihnen auch die Kontrolle über viele Einrichtungen von Wirtschaft und öffentlichem Leben. Das Ergebnis ist Chaos und was als virtuelle Katastrophe begann bedroht nun auch massiv die reale Welt.

Meinung

„Bester animierter Film“ bei den Japan Academy Awards, „Animation Grand Award” bei den "Mainichi Film Awards", “Excellence Prize” beim Japan Media Arts Festival, dazu auf diversen internationalen Festivals im Programm gelaufen (u. a. bei der Berlinale) - „Summer Wars“ kommt mit einem dicken Bündel an Vorschusslorbeeren daher und mit einem Produktionsteam das schon bei Link Toki wo Kakeru Shoujo gute Arbeit abgeliefert hat. Was soll da also noch schiefgehen?

Tja, wie sich zeigt, schiefgehen kann am Ende doch leider immer etwas.
Aber erst einmal beginnt alles sehr interessant.
„Summer Wars“ Geschichte dreht sich rund um die fortschreitende Verknüpfung von virtueller und realer Welt, immer mehr Aufgaben und Kommunikation wird ins WWW ausgelagert und dort von großen Anbietern versucht auf sich zu zentralisieren. Das ist schon gar keine Sci-Fi mehr, sondern Realität, auch wenn es manchmal eher schiefgeht (Second Life), die Entwicklung wird immer weiter vorangetrieben (Stichwort „Cloud Computing“).
In „Summer Wars“ sind wir aber schon einen Schritt weiter. Eine riesige Communtiy vereint bereits große Teile der Welt, sowohl im privaten als auch im wirtschaftlichen und öffentlichen Rahmen, und genau das wird zum großen Verhängnis als eben diese Community plötzlich einem großangelegtem Hack zum Opfer fällt.
Dem gegenübergestellt wird die traditionelle „Community“ einer japanischen Großfamilie mit weit zurück reichenden Wurzeln, an der Spitze die Großmama mit besten persönlichen Kontakten in Politik und Wirtschaft.
Aber weil das noch nicht genug, und der Film sich mit dem großen Kampf traditionell gegen moderne Gemeinschaftsstrukturen oder irgendwelchen Erkundungen der Gefahren einer immer (virtuell) zentralisierteren Gesellschaft nicht ausgelastet wähnt, kommt dazu noch ein ordentliches Familiendrama (ein verlorener Sohn kehrt zurück), etwas Love-Comedy (Kenji und Natsuki) und für die Action eine ordentliche Portion Cyber-Battle, mal modern in Beat ’em Up Stil mit Kampfavataren oder wieder ganz traditionell als Partie KoiKoi mit Hanafuda Karten.
Dumm nur, wer viel will, der schafft am Ende oft nur wenig, und auch „Summer Wars“ scheint sich an seinen vielen Bausteinen etwas zu überheben.
Irgendwann wird es einfach zu viel, was plötzlich und unerwartet zusammentrifft, ist man gewillt der Geschichte bis zu dem Punkt das Kenji ausversehen den Verschlüsselungscode von Oz knackt noch Glauben zu schenken, so wird alles immer abstruser wenn rein zufällig der beste Kämpfer in ganz Oz auch zu Natsukis Familie gehört und nicht nur das, nein, auch derjenige der die KI programmiert hat die nun Oz hackt gehört zur Familie, und überhaupt auch nur diese Familie kann die ganze Welt vor dem Untergang retten... ja ist klar.
Aber nicht nur an all den Zufällen reibt sich die Geschichte auf, auch daran dass sie hin und her springt zwischen ernst und lustig, sind grad noch alle bestürzt über den Tod der Oma oder darüber das die Welt untergeht, so brettert man eine Minute später mit einem Tieflader das Eingangstor des Familienanwesens nieder, kippt eine Segelyacht in den Gartenteich das die teuren Kois durch die Gegend fliegen oder rammt das Haus mit einem Gabelstapler in dem Versuch einen Supercomputer ins Wohnzimmer zu hieven.
Nichts gegen die Szenen an sich, sie sind durchaus witzig und ich hab geschmunzelt, aber der Film weiß nicht was er will. Oder besser, es ist durchaus möglich sich auch nicht allzu ernst mit ernsten Problemen auseinanderzusetzen, aber dieser Film findet keine Balance zwischen Ernst und Spaß, die lustigen Momente fügen sich nicht harmonisch in die ernste Geschichte und genauswenig die Kampfszenen im Cyberspace.
Alles ist für sich genommen ja ganz gut, aber man schafft es nicht es zu einem harmonischen Ganzen zu verweben, stattdessen hab ich den Eindruck von dürftig zusammengenähten Flicken.
Hier wird man den Parallelen die von einigen Kritikern zu den fantasiereichen Miyazaki Werken gezogen werden überhaupt nicht gerecht, denn genau diese Harmonie fehlt mit hier immer wieder.

Nichts zu meckern gibt es hingegen an der Optik, mit großem Budget, drei Jahren Produktionszeit und dem Know-how eines erstklassigen Studios im Rücken kann „Summer Wars“ in allen Bereichen überzeugen. Wo es der Geschichte an Zusammenklang fehlte, verschwimmen hier hand-made look und CGI zu einem perfekten Ganzen, sympathische Charakter Designs, durchweg hochklassiger Zeichnungen und Animationen und eine äußerst lebendige Welt sowohl im realen als vor allem auch im virtuellen Oz, wo tausende von kleinen Avataren durchs Bild wimmeln.
Auch inszenatorisch beweist man ein solides Händchen, Actionsequenzen sind rasant in Szene gesetzt, aber genauso stimmungsvoll zeichnen sich die Charaktere aus der Froschperspektive, durch die geöffneten Wand-Schiebetüren, gegen einen weiten, blauen Himmel voll weißer Wolken ab.

Ja, was bleibt also am Ende über „Summer Wars“ zu sagen? War der Film eine Enttäuschung?
Also für mich irgendwie schon. Mit all den Preisen und positiven Erwähnungen waren die Erwartungen aber vielleicht auch einfach zu hoch gesteckt.
Wäre er denn ein guter Film wenn man ihn einfach so gesehen hätte, ohne davor was drüber gehört zu haben?
Ich weiß nicht.
Die doch zu einfältig zusammengepuzzelte Geschichte erscheint mir auch nach zweimaligem ansehen so störend das ich mir nicht vorstellen kann selbst ohne zu hohe Erwartungen damit glücklich zu werden.
Also lieber einen großen Bogen um den Film machen?
Nein, das nun auch nicht. Die Ansätze der Geschichte sind doch zu interessant, es gibt immer wieder gelungene Szenen und irgendwie war der Film stellenweise doch auch wirklich unterhaltend, dazu kommt optischer Kino-Pomp, man kann ihn sich ruhig mal anschauen.
Auf der Liste meiner ewigen Lieblingsfilme wird er aber sicherlich nicht landen, nicht einmal auf der der Lieblingsanimes.

Screenshots

Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4

Bild 5

Bild 6

Bild 7

Bild 8

Bild 9

Bild 10

Bild 11

 Info
Originaltitel:Samâ wôzu
Lauflänge:ca. 114 Minuten
Jahr:2009
Regie:Mamoru Hosoda
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Grafik:

 9.jpg 9/10

Sound:

 8.jpg 8/10

Story:

 6.jpg 6/10

 Gesamt:

  7/10

Aufrufe: 6019
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-885.htm