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Black Blizzard
Story

Nachdem sich seine Band aufgrund finanzieller Schwierigkeiten aufgelöst hat, fällt der mittellose Pianist Susumu Yamaji in eine tiefe Depression. Er gibt das Komponieren auf und spielt stattdessen in heruntergekommenen Kneipen, wo er das spärliche Geld das er verdient meist auch gleich wieder in Hochprozentiges investiert.
Erst als er die talentierte Zirkussängerin Saeko kennen lernt findet er ins Leben zurück und beginnt sogar für sie neue Leider zu komponieren. Doch die junge Beziehung scheitert, als er Saeko aus dem Zirkus und damit auch vor ihrem gewalttätigen Ziehvater befreien will.
Der bemerkt was vor sich geht und verhindert Saekos Abschied aus dem Zirkus, so dass es schließlich zu einem heftigen Streit und einem Handgemenge zwischen ihm und stark betrunkenen Susumu kommt, der damit endet das Susumu am nächsten Morgen völlig verkartet und mit einem blutigen Messer in der Hand neben der erstochenen Leiche des Ziehvaters aufwacht.
Schockiert flüchtet er vom Tatort, wie aber nur wenige Stunden später in seiner Wohnung von der Polizei gestellt um schließlich zusammen mit einem anderen Mordverdächtigen per Zug in die nächste Stadt überstellt zu werden.
Doch zieht ein Blizzard auf und aufgrund eines Erdrutsches entgleist der Zug in dem sie sitzen und Susumu ist dadurch dass er mit Handschellen an seinen Mithäftling gekettet ist, dazu gezwungen gemeinsam mit diesem zu fliehen.
Allerdings verläuft diese Flucht nicht sonderlich glücklich und der rücksichtslose und brutale Charakter seines Mithäftlings setzt Susumu beständig zu und zwingt ihn sich diesem unterzuordnen. Zwar kann er mit seiner Geschichte bei ihm etwas Sympathien erwecken, doch als sich die beiden in die Enge gedrängt fühlen zwingt er Susumu in einer verlassenen Arztpraxis zu einem makabren Spiel, bei dem sie entscheiden wollen wer von beiden sich, um endlich die Ketten loszuwerden, von dem anderen die Hand amputieren lassen muss.

Meinung

Der Name Yoshihiro Tatsumi sollte, nicht zu Letzt durch die unermüdliche Arbeit des Verlagshauses Drawn & Quarterly, inzwischen auch keinem westlichen Fan von Gekiga (Erwachsenen-Manga) mehr fremd sein, war Tatsumi doch einer von denen die dieses Genre wie niemand sonst geprägt haben. (für mehr Informationen siehe A Link Drifting Life)
Mit „Black Blizzard“ gibt man dem westlichen Fan die Möglichkeit auch mal einen Blick auf die Anfangszeit von Tatsumis schaffen zu werfen. Wobei Anfangszeit sicher ein dehnbarer Begriff ist, hatte er zum Erscheinen von „Black Blizzard“ doch auch schon drei Jahre als Mangaka hinter sich und bereits 17 lange Bände und zahlreicher Kurzgeschichten gezeichnet.

Nichts desto trotz kann man im direkten Vergleich zu den späteren Geschichten wie aus Link Good-Bye oder Link Abandon the old in Tokyo, die in einem sehr realistischem Setting spielen und sich bevorzugt mit dem Grotesken beschäftigen das zu weil hinter der „normalen“ Fassade der Gesellschaft und des Alltags lauert, schon einige Unterschiede erkennen, geht es in „Black Blizzard“ doch um eine klassische, filmische Thriller-Krimi-Handlung, hinter der aber trotzdem schon ein gewisser Hang zum Makabren hervorscheint.

Die Ausganssituation der beiden Flüchtlinge und ihrer „Flucht in Ketten“, derer sich Tatsumi hier bedient, ist in diesem Bereich ja schon ein Klassiker und nimmt in diesem Punkt in gewisser Weise z. B. den gleichnamige Spielfilm mit Tony Curtis und Sidney Poitier vorweg, der 1985, und damit immerhin 2 Jahre nach „Black Blizzard“ erschien.
Leider sind dieser Plot-Part und die Spannung die er zwischen den beiden unfreiwilligen Flucht-Brüdern aufbaut, dann auch das Beste an der Geschichte. Während die übrige Liebesgeschichte zwar am Anfang einen guten, weil auch schon tristen und „noir“-rigen Einstand bietet, gleitet sie spätestens ab dem Mord etwas ins banale ab und scheint erst sehr vorhersehbar, hat dann im Finale aber trotzdem noch einen gewissen überraschenden Twist zu bieten der die vorhersehbare Auflösung des Morde ergänzt, damit aber wiederum die gesamte Geschichte extrem konstruiert und damit zu künstlich erscheinen lässt. So schafft man zwar ein Happy End, aber auf Kosten jeder Glaubwürdigkeit.

Als interessanter entpuppt sich da schon die visuelle Gestaltung des Mangas, der trotz seinen gehobenen Alters schon vieles von dem Erkennen lässt das man heute für Mangas als typische Stil-Elemente ansieht und das inzwischen auch den westlichen Comic dominiert.
Die Rede ist natürlich von der hohen Dynamik und der filmischen Erzählweise, die den Leser über die Seiten und durch die Panels führt und quasi mitreißt wie ein Film und zum Kontrast der eher statischen Erzählweise anderer Comics steht.
Ein schönes Beispiel ist hier gleich am Anfang zu finden, als ein Reporter telefonisch über den Zugunfall und die Flucht der Häftlinge informiert wird. Diese Szene wird von Panel zu Panel wie ein Film inszeniert, es beginnt aus einer Halbtotalen des telefonierenden Reporters, die dann von Bild zu Bild weiter „hineinzoomt“ bis auf sein Gesicht und daran vorbei auf seinen Schatten an der Wand hinter ihm, von dort schwenkt das Blickfeld (die Kamera) dann auf das danebenliegende Fenster und den Sturm der davor tobt, um dann mit dem Bild des Sturms überzublenden auf ein Panorama des gleichen Sturms im Gebirge, das dann wiederum immer weiter hineinzoomt und dabei immer deutlicher die sich durch den Sturm kämpfenden Gestalten der beiden Flüchtlinge erkennen lässt.
In der klassischen statischen Comicerzählung währen das genau zwei Bilder gewesen, doch hier sind es bereits zwei Seiten mit einer Bildabfolge die im Kopf des Leser den Film ablaufen lässt.

So ist „Black Blizzard“ dann am Ende auch trotz Schwächen bei seiner Geschichte und seinen auch teils noch etwas sehr groben Zeichnungen (man sehe sich nur mal in vielen Panels die Hände der Figuren an) immer noch ein durchaus interessanter Manga der sich vor allem, aber nicht nur für Fans von Yoshihiro Tatsumi lohnt.
Wer mal sehen will wie Manga vor bald 60 Jahren so aussah der hat hier die Gelegenheit dazu und kann sich überraschen lassen wie viel von dem was er heute so an seinen Mangas schätzt auch hier zum Teil schon zu finden ist.

Cover

Bild 1

 Info
Verlag:Drawn & Quarterly
Zeichnung & Story:Yoshihiro Tatsumi
Jahr:1956

 Bewertung

Grafik:

 7.jpg 7/10

Story:

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 Gesamt:

  7/10

Aufrufe: 10982
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-1050.htm